Weinrecht

Weinrecht

Die Weingesetze der Mitglieder der Europäischen Union müssen im Einklang stehen mit dem übergeordneten Weinrecht der EU, das allerdings nur einige Rahmenbedingungen bietet, den Mitgliedsländern mithin weitgehemde Regelungsfreiheit belässt. Das Europäische Weinrecht sieht nur zwei Qualitätsstufen von Wein vor: Tafelwein und Qualitätswein mit geographischer Herkunft (Vin de Qualite Produit dans une Region Determinde, VQPRD), zu denen letztlich auch die Landweine gehören.

Das französische Klassifizierungssystem

Das französische Klassifizierungssystem beruht auf einer qualitativen Einteilung der Rebflächen. Dabei stützt sich das französische Weingesetz auf langjährige Erfahrungswerte, welche Qualität die Gewächse von diesen Weinbergen haben werden. Die tatsächliche Qualität der Weine wird hingegen nicht jedes Jahr amtlich überprüft.

Der Weinfreund ist dadurch zur genauen Beobachtung der Jahrgangsschwankungen und der Erzeuger gezwungen,

denn ein schwächerer Wein aus einem schlechten Jahrgang darf seinen illustren Namen genauso tragen wie ein besserer Wein aus derselben Lage und einem guten Jahrgang. Die Klassifizierung der französischen Rebflächen nach der Qualität der von dort zu erwartenden Weine bringt folgende Einteilung: Vin de Table, Vin de Pays, Vin Delimite de Qualite 5upörieure und Appellation d'Origine Controlee.

Vin de Table

Einige Weinbauregionen dürfen nur Vins de Table, Tafelweine, verkaufen. Dies ist die unterste Qualitätsstufe französischer Weine. Ungefähr ein Drittel der jährlichen Weinernte, also immerhin 20 Millionen Hektoliter Wein entfällt auf Tafelwein. Dabei handelt es sich oftmals um Verschnitte aus verschiedenen Jahrgängen, Regionen und Traubensorten. Der Großteil der Tafelweine wird zumeist in der jeweiligen Anbauregion von den Franzosen selbst konsumiert, die es immerhin auf 80 Liter Wein pro Kopf und Jahr bringen.

Weinrecht_01

Vin de Pays

Die nächsthöhere Qualitätsstufe französischer Weine bildet der Vin de Pays, der Landwein. 20 Prozent der französischen Weinerzeugung werden als Landweine etikettiert. Vins de Pays sind bezüglich ihrer Herkunft in drei Kategorien unterteilt. Die gröbste Herkunftsbezeichnung trägt der regionale Landwein. Der nördlichste stammt aus dem "Garten Frankreichs", dem Loiretal (Vin de Pays du Jardin de la France). Weiter südlich entstehen in der Rhöne-Gegend der Vin de Pays des Comtes Rhodasian und im Südwesten Frankreichs der Vinde Pays de Comte Tolosan.

Der bekannteste der regionalen Landweine ist sicherlich der Vin de Pays d'Oc aus dem Süden Frankreichs, dem Midi. Eine höhere Stufe des Landweins stellen die 39 Gewächse dar, die unter dem Zusatz des Departements etikettiert werden, wieder Vin de Pays de l'Herault oder der Vin de Pays de Bouches-du-Rhöne. Diese Herkunftsbezeichnungen sind viel enger gefasst als die regionalen. Jeder dieser Landweine verkörpert die Eigenart und Weinbautradition seines Herkunftsgebietes in typischer Weise, so dass der Weinfreund viel gezielter einen guten Wein nach seinem Geschmack auswählen kann. Schließlich gibt es ungefähr 100 Vins de Pays de Zone, deren Herkunft auf dem Etikett noch genauer angegeben werden darf, wie der Vin de Pays du Coteaux du Pont-du-Gard.

Bei diesen Weinen handelt es sich um die höchste Stufe von Landweinen.

Viele von ihnen stehen auf dem Sprung in die Kategorie der Qualitätsweine. Die oft sortenrein ausgebauten Gewächse sind zumeist süffig und passen hervorragend zur regionalen Küche. Die besten dieser Gewächse sind oftmals sehr duftig und überaus köstlich und übertreffen die Landweine aus den anderen europäischen Weinbauländern bei weitem.

Vin Delimite de Quality Superiore (VDQS)

Der Vin Delimite de Qualite Superieure bildet die unterste Kategorie der französischen Qualitätsweine, der 60 Produkte aus allen Weinbauregionen Frankreichs angehören. Darunter sind einige vorzügliche Weine wie die Rot- und Weißweine von den Cötes du Saint-Mont, die kurz davor stehen, in die höhere Kategorie Appellation Controlee (AC) aufgenommen zu werden.

lm Gegensatz zu Tafel- und Landweinen gelten für die VDQS-Weine strenge gesetzliche Vorschriften.

So müssen die Anbauflächen genau umrissen sein. Nur bestimmte, festgelegte Rebsorten dürfen für die Erzeugung dieser Weine verwendet werden. Auch die Methoden bei Anbau und Herstellung der Weine werden vom französischen Weingesetz vorgeschrieben.

Schließlich sind die Höchsterträge begrenzt und werden von staatlicher Seite streng kontrolliert. lnsgesamt schwindet die Bedeutung der VDQS-Weine ständig, da nahezu alle Erzeuger letztlich den höheren AC-Status anstreben und die Kategorie VDQS nur als Durchgangsstadium betrachten.

Die Appellation (D'Origine) Controlee (AC bzw. AOC)

Die höchste Qualitätsstufe französischer Weine ist die der kontrollierten Herkunftsbezeichnung AC bzw AOC. Gegenüber den VDQS-Weinen sind die gesetzlichen Bestimmungen noch schärfer, ist die Kontrolle noch lückenloser. Das Pariser Institut National des Appellations d'Origine des Vins et Eaux-de-Vie (INAO) legt nicht nur die geographischen Grenzen jeder Appellation Controlee fest, sondern wacht auch über die Einhaltung der Vorschriften.

Weinrecht_02

So schreibt es genau vor, aus welchen Rebsorten die Winzer im jeweiligen Gebiet welche Art

von Wein herstellen dürfen. Dazu gehören auch die Bestimmungen über die maximale Anzahl von Rebstöcken pro Hektar, die Art des Rebschnitts sowie die Methoden für Herstellung und Ausbau der Weine. Schließlich legt das INAO fest, wieviel Weintrauben die Winzer pro Hektar erzeugen dürfen und wie hoch der Zuckergehalt der Beeren mindestens sein muss. Die französischen Gesetze sind streng: Die maximalen Hektarerträge liegen bei AC-Weinen im Durchschnitt bei 40 Hektoliter Wein pro Hektar Anbaufläche. Das führt dazu, dass die 400 AC-Weine 40 Prozent der französischen Rebflächen einnehmen, aber nur 30 Prozent der Weinmenge liefern.

Das System der Appellationen

Die Systematik der französischen Appellationen kann man sich wie eine vierstufige Pyramide vorstellen. Die niedrigste Stufe umfasst Appellationen, die sich auf ganze Weinbauregionen erstrecken. Ein beispielsweise einfach als Bordeaux, Bourgogne oder Cotes du Rhone etikettierter Wein ist hinsichtlich seiner genaueren Herkunft recht unbestimmt. Es können sogar Weine aus verschiedenen Gegenden des Anbaugebietes verschnitten werden, bis die gewünschte Geschmacksnote erreicht ist.

Deshalb sind die meisten größeren Anbaugebiete noch einmal in kleinere Appellationen unterteilt. Weine der Appellationen Haut-Medoc oder Saint-Emilion sind fast immer höherwertig als einfache Bordeaux-Weine. lm Burgund übertreffen Gewächse der Appellationen Cote de Beaune-Villages oder Mäcon-Villages in aller Regel einfache Bourgogne-Weine. Ebenso stehen die Weine der Cötes du Rhone-Villages über denen der Cotes du Rhone. Doch damit nicht genug: Viele dieser differenzierteren Appellationen enthalten wiederum eine ganze Reihe von weiteren Appellationen.

Bei dieser dritten Stufe der Pyramide handelt es sich in aller Regel um hervorragende Weinbauorte, die ihre Weine

unter ihrem eigenen Ortsnamen auf den Markt bringen dürfen. Dazu gehören u.a. die berühmten Orte Pauillac, Saint-Julien und Margaux innerhalb des Haut-Medoc. Beispiele aus dem Burgund sind die Orte Pommard, Meursault und Beaune innerhalb der Cotes de Beaune-Villages. In den Cotes du Rhöne-Villages ist die Gemeindeappellation die höchstestufe. Bei den Villages-Weinen handelt es sich fast durchweg um herausragende, wertvolle Weine, die nur noch von der Spitze des französischen Weinbaus, von den berühmten Crus, übertroffen werden.

Das System der Cru-Klassifizierungen

Ahnlich verwirrend wie das System der Appellationen ist auf den ersten Blick auch das der Crus, der besonderen Gewächse, die der französische Gesetzgeber über alle anderen Weine stellt. Es sind genau diese Weine, die den Weltruf des Weinbaulandes Frankreich begründet haben und die immer noch unangefochten weltweit als das Maß aller Dinge gelten. Die internationale Nachfrage nach diesen Spitzenerzeugnissen ist so groß, dass mittlerweile 70 Prozent der als Cru klassifizierten Weine exportiert werden.

Deshalb sind die Preise mittlerweile so hoch, dass der Wunsch, einmal einen solch edlen Wein zu probieren, für die

meisten Weinfreunde unerfüllbar bleibt. Im Burgund sind die Crus unterteilt in Grand Crus und Premier Crus. Beide bezeichnen festgelegte Areale innerhalb der Gemeindeflächen, vergleichbar mit den deutschen Einzellagen.

Damit handelt es sich also um echte, wenn auch winzige Appellationen. lm Elsass sind die Crus nicht weiter unterteilt, stellen aber auch eigene AC-Gebiete dar. In Bordeaux hingegen erstreckt sich die Cru-Klassifikation auf einzelne Weingüter und den dazugehörigen Wein. Die Crus von Bordeaux stellen also im Gegensatz zu den anderen Crus Frankreichs keine eigenen Appellationen dar. Auch ein Premier Cru Classe wie Chateau Latour kommt unter der Gemeindeappellation Pauillac auf den Markt.

Weinrecht_03

Die Crus der Champagne sind weniger bekannt, da die berühmten Schaumweine fast ausschließlich Markenprodukte eines Champagnerhauses sind und keine Gemeindenamen auf den Etiketten tragen. Die Klassifizierung einiger Gemeinden als Grand bzw Premier Cru steht hier in engem Zusammenhang mit den höheren Preisen, die sie regelmäßig für ihr Lesegut erzielen. Somit folgt jedes Weinbaugebiet Frankreichs bei der Systematik der Cru-Klassifizierungen seiner eigenen Logik.

Das deutsche Weinrecht

Die Einteilung der deutschen Weine in lagenunabhängige Prädikatsstufen geht davon aus, dass in allen Anbaugebieten und auf allen Böden prinzipiell qualitativ gleichwertiger Wein erzeugt werden kann. Bei der amtlichen Weinprüfung zählt daher nur die "Qualität im Glas", vor allem der Alkohol- und Zuckergehalt der Weine.

ln den letzten Wochen vor der Lese nimmt der Zuckergehalt in den Beeren stark zu,

während der Gesamt-Säuregehalt ständig sinkt. Je höher der Zuckergehalt der Trauben liegt, desto höher liegt zwangsläufig auch der natürliche Alkoholgehalt des Weines. Mit anderen Worten: Je süßer die Traube, desto stärker und besser wird der Wein. Deshalb bewertet das deutsche Weinrecht die Qualität eines Weines nach der Konzentration des Zuckers im Lesegut.

Mit der letzten Novelle des deutschen Weinrechts sind den traditionellen neun deutschen Qualitätsstufen zwei neue zur Seite gestellt worden, sodass es heute insgesamt elf deutsche Qualitätsstufen gibt, die teilweise miteinander konkurrieren. Alle Qualitätsweine müssen zur amtlichen Prüfung vorgestellt werden.

Tafelwein

Die unterste Weinkategorie bilden die Tafelweine. Der natürliche Mindestalkoholgehalt muss fünf Volumenprozent betragen, die Weine werden durchweg angereichert. Tafelweine müssen nicht zur amtlichen Prüfung vorgestellt werden. Sie dürfen keine Lagebezeichnungen tragen, sondern werden als Tafelwein Rhein, Tafelwein Mosel, Tafelwein Main, Tafelwein Neckar und Tafelwein Oberrhein etikettiert.

Tafelweine sind meist Massenprodukte und eigenen sich gut zur Bereitung von erfrischender Weinschorle in der

wärmeren Jahreszeit. Nur 0,1 Prozent der gesamten Weinerzeugung entfallen in Deutschland auf Tafelweine. Bis vor einigen Jahren gab es - ähnlich wie in der Toskana oder in Spanien - auch in Deutschland einige hochwertige und teure Weine, die nur den Status eines Tafelweins besaßen, da sie im Dissenz zum deutschen Weinrecht erzeugt wurden, insbesondere durch die Verwendung von Barriques. Doch dies ist mittlerweile erlaubt und die meisten Erzeuger stellen ihre Barriqueweine heute zur amtlichen Prüfung vor.

Landwein

An Landweine werden geringfügig höhere Anforderungen gestellt als an Tafelweine. Sie müssen sechs Volumenprozent natürlichen Alkohol aufweisen, werden durchweg jedoch mit Alkohol angereichert. Auch die Landweine dürfen nicht zur amtlichen Prüfung vorgestellt werden.

In Deutschland gibt es 17 verschiedene Landweingebiete:

Rheinburgen-Landwein (Mittelrhein), Ahrtaler Landwein, Landwein der Mosel, Landwein der 5aar, Landwein der Ruwer, Nahegauer Landwein, Altrheingauer Landwein, Rheinischer Landwein (Rheinhessen), Pfälzer Landwein, Starkenburger Landwein (Hessische Bergstraße), Unterbadischer Landwein (Badische Bergstraße und Kraichgau), Südbadischer Landwein (Ortenau, Breisgau, Kaiserstuhl, Tuniberg und Markgräflerland), Bayrischer Bodensee-Landwein, Schwäbischer Landwein (Württemberg), Regensburger Landwein, Taubertäler Landwein (Tauberfranken), Fränkischer Landwein, Sächsischer Landwein sowie Anhaltiner Landwein (Saale-Unstrut).

Weinrecht_04

Von all diesen Weinen werden allerdings nur geringe Mengen erzeugt. Die Gewächse dürfen nur als trockene und halbtrockene Abfüllungen auf den Markt gebracht werden, der Restzuckergehalt darf 18 Gramm pro Liter nicht übersteigen. lm Gegensatz zu den französischen Vins de Pays spielen die deutschen Landweine auf dem Weinmarkt nur eine untergeordnete Rolle.

Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QBA)

Alle Qualitätsweine werden im Gegensatz zu Tafel-und Landweinen einer amtlichen Prüfung unterzogen, bei der sie auf qualitative Fehler überprüft werden. QbA-Weine müssen je nach Anbaugebiet zwischen sechs und 7,5 Volumenprozent natürlichen Alkohol enthalten.

Sie bilden die einzige Kategorie von Qualitätsweinen, bei der die Anreicherung mit Alkohol, das Chaptalisieren erlaubt ist. Auf dem Etikett eines QbA-Weines muss das Anbaugebiet genannt sein, die Angabe der Erzeugergemeinde und einer Groß- oder Einzellage ist freiwillig. QbA-Weine entstehen in großer Menge vor allem in mittleren Jahrgängen, wenn für die Erzeugung von Prädikatsweinen ungünstige Witterungsverhältnisse zu einer frühzeitigen Traubenernte zwingen.

Aber auch in guten Jahren werden QbA-Weine hergestellt, wenn auch in geringerem Umfang. Je nach Jahrgang,

Herkunft, Rebsorte und Geschmacksrichtung können sie von sehr guter Qualität sein und oftmals die Charakteristik eines Weinbaugebietes und seines Terroirs besonders zur Geltung bringen.

Qualitätsweine mit Prädikat (QMP)

Die Spitze der Qualitätspyramide deutscher Weine bilden die Qualitätsweine mit Prädikat. Die Prädikatsstufe wird bei der amtlichen Weinprüfung festgelegt, ihre Angabe auf dem Etikett ist obligatorisch.

Kabinett

Kabinett-Weine bilden die unterste Stufe der QmP-Weine. Die Trauben werden während der Hauptlese geerntet und müssen einen Zuckergehalt besitzen, der einem natürlichen Alkoholgehalt von mindestens neun, in den südlicheren Anbaugebieten von 10,5 Volumenprozent entspricht. Kabinett-Weine dürfen nicht zur Erhöhung des Alkoholgehaltes angereichert werden. Gute Kabinett-Weine sind gebietstypisch, harmonisch und ausdrucksvoll.

Spätlese

Die Trauben für Spätlese-Weine werden - wie der Name bereits sagt - später gelesen als die Trauben für Kabinett-Weine. Dadurch besitzen sie einen höheren Zuckergehalt. Sie müssen je nach Anbaugebiet und Rebsorte einen natürlichen Alkoholgehalt von bis zu 12,5 Volumenprozent aufweisen. Auch Spätlesen dürfen nicht angereichert werden. Viele Spätlesen sind tatsächlich aber weniger alkoholstark, denn ein Teil des Zuckers ist durch Gärstopp noch nicht zu Alkohol vergoren und noch als Restsüße im Wein enthalten. Spätlese-Weine können von herausragender Qualität sein und sich über zehn Jahre und mehr in der Flasche verbessern.

Auslese

Für Auslesen dürfen nur vollreife oder von Edelfäule befallene Trauben verwendet werden. Unreife oder kranke Trauben müssen ausgesondert werden. Auslesen weisen je nach Anbaugebiet und Rebsorte einen potenziellen Alkoholgehalt von bis zu 14 Volumenprozent auf. Sie werden jedoch relativ selten völlig durchgegoren, sodass der restliche Zucker unvergoren als Natursüße im Wein verbleibt. Dabei entstehen edle Weine, die beinahe unbegrenzt haltbar sind.

Weinrecht_05

Beerenauslese

Beerenauslesen werden aus von Edelfäule befallenen oder überreifen Weinbeeren erzeugt. Dazu müssen diese von Hand gesondert gelesen werden. lhr Zuckergehalt ist extrem hoch, völlig durchgegoren würden Weine mit theoretischen Alkoholgehalten von bis zu 17,5 Volumenprozent entstehen. Doch Beerenauslesen sind nie trocken, sie besitzen in der Regel einen Alkoholgehalt von deutlich unter zehn Volumenprozenten. Die edlen Gewächse sind folglich sehr süß.

Trockenbeerenauslese

Zu den teuersten Weinen überhaupt gehören Trockenbeerenauslesen, die ausschließlich aus edelfaulen Beeren hergestellt werden. Die Beeren verbleiben so lange am Rebstock, bis sie rosinenartig eingetrocknet sind. Dabei erreichen sie eine noch höhere Zuckerkonzentration als das Lesegut für die Beerenauslesen. Trockenbeerenauslesen sind - wie der Name vielleicht nahelegen könnte -geschmacklich niemals trocken.

Eiswein

Für die Erzeugung von Eiswein werden Trauben von der Qualitätsstufe der Beerenauslese so lange am Rebstock belassen, bis sie bei Dauerfrost von mindestens minus sieben Grad gefrieren. Der Frost bindet das Wasser und so entsteht beim Auspressen ein Most mit hoher Konzentration an Zucker, Säure und Bukettstoffen. Eisweine besitzen eine markante Säure, die sie nahezu unbegrenzt haltbar macht.

Die Revolution des Weinrechts

Um den deutschen Wein transoarenter zu machen und ihn besser am Markt zu positionieren, wurden zum Jahresbeginn 2001 zwei neue, standardisierte Qualitätsstufen eingeführt. Damit hat man zusätzlich einer Entwicklung Rechnung getragen, die schon seit Jahren von besonders engagierten Erzeugern vorangetrieben wurde: die Vereinfachung der Etiketten.

Classic

Die neuen Classic-Weine tragen über die Angabe des Anbaugebietes hinaus keine weiteren Herkunftsangaben. Die einzelnen Bundesländer können aber die Nennung eines Bereiches zulassen. Sie werden aus den klassischen Rebsorten erzeugt, Neuzüchtungen spielen hierbei keine Rolle mehr. Classic-Weine werden reinsortig ausgebaut, die einzige Ausnahme ist Württemberg, wo der Verschnitt aus Trollinger und Lemberger weiterhin zulässig ist. Das Lesegut muss einen Reifegrad aufweisen, der einem potenziellen Alkoholgehalt von 12 Volumenprozent entspricht. Geschmacksangaben sind nicht zulässig, der Restzuckergehalt darf bis zu 15 Gramm pro Liter betragen.

Selection

Die Weine der Qualitätsstufe Selection sollen die Spitze der neuen Qualitätspyramide bilden. Bei ihnen werden strengere Maßstäbe angelegt als bei den Classic-Weinen. Bei Selection-Weinen muss es sich um Einzellagenweine handeln, die Einzellage muss auf dem Etikett angegeben werden. Die Begrenzung auf traditionelle Rebsorten ist noch strenger, selbst der altbewährte Müller-Thurgau ist nicht zugelassen. Der potenzielle Alkoholgehalt des Traubengutes muss 12,2 Volumenprozent betragen - für manche Anbaugebiete ist das schon Auslesequalität.

Der Ertrag ist auf vernünftige 60 Hektoliter pro Hektar begrenzt, das Traubengut muss von Hand gelesen werden.

Die Weine dürfen höchstens neun Gramm pro Liter Restzucker enthalten, dies entspricht der alten Geschmacksrichtung "trocken". Selection-Weine dürfen frühestens ab September des auf die Lese folgenden Jahres auf den Markt gebracht werden. Damit soll sichergestellt werden, dass es sich dabei um hochwertige, internationalem Niveau genügende Gewächse handelt.

Das italienische Weingesetz

Die italienischen Qualitätsweine sind in die Kategorie DOC (Denominazione di Origine Controllata) und die höherwertige Stufe DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) eingeteilt. Hier gelten strenge Bestimmungen: Bei der Festlegung der Anforderungen an die Qualitätsweine geht der Gesetzgeber in erster Linie von der Tradition der Weinbereitung im jeweiligen Anbaugebiet aus. Er hat sehr genau festgelegt, welche Traubensorten angebaut werden dürfen und wie der Wein zu bereiten ist.

weinrecht_06

Kommen die Weine aus dem Kernbereich des DOC-Gebiets, so dürfen sie den Zusatz

"Classico" in ihrem Namen führen. Bei höherer Qualität des Traubengutes verdienen die besseren Weine die Einstufung als "Superiore". Nach einer bestimmten, je nach Anbaugebiet unterschiedlich festgelegten Lagerungsdauer gelten die besten Gewächse als "Riserva" Weine.

Indicazione Geografica Tipica (IGT)

Die italienische Weingesetzgebung ist selbstverständlich konform mit den Richtlinien der EU, hat in der Vergangenheit gelegentlich jedoch allzu sehr althergebrachte Traditionen bewahrt und viele dynamische, moderne Erzeuger bestraft, indem sie ihnen die Einstufung ihrer Gewächse als Qualitätsweine versagt hat.

Sie wurden als Tafelweine eingestuft, als Vini da Tavola, die auch in ltalien die unterste Qualitätsstufe darstellen. Über 85 Prozent aller italienischen Weine fallen unter diese Kategorie. So waren in der Vergangenheit manche Tafelweine - vor allem die "Super-Toskaner" - teuerer als selbst die wertvollsten DOCG-Weine.

Seit der Novelle Nr. 165 der Weingesetze von 1992 gehört diese Verzerrung jedoch der Vergangenheit an, seitdem

existiert oberhalb des Tafelweines eine Indicazione Geografica Tipica (lGT), die der Ebene der französischen Landweine entspricht und in der die meisten der hochwertigen ehemaligen Tafelweine wie der Tignanello Aufnahme gefunden haben, sofern sie nicht in der Zwischenzeit wie der Ornellaia und der Sassicaia sogar zur DOC erhoben wurden.

Das spanische Weingesetz

Gemäß den Richtlinien für den Weinbau in der Europäischen Union ist auch in Spanien der Tafelwein, der Vino de Mesa, die unterste Qualitätsstufe. Große Mengen einfacher Weine aus Zentralspanien und von der Mittelmeerküste fallen in diese Kategorie. Lediglich als Tafelweine werden aber auch einige hervorragende Gewächse eingestuft, nur weil sie außerhalb anerkannter Weinbaugebiete entstehen. Die bekanntesten dieser Weine sind die teuren Tafelweine der Bodega Marques de Grinon aus der Umgebung von Toledo.

Vino de la Tierra

Über den einfachen Tafelweinen rangiert der Vino dela Tierra. Er entspricht dem Landwein, wie er von den Vorschriften der EU festgelegt ist. lm Vergleich zu Frankreich spielt der Landwein in Spanien kaum eine Rolle. Die spanischen Landweine erreichen in aller Regel nicht die Qualität der fruchtigen französischen Vins de Pays. Der bekannteste und beste spanische Landwein stammt aus dem Gebiet Tierra de Barros in der westspanischen Extremadura nahe der Grenze zu Portugal. Der Sprung zum Qualitätswein scheint hier nur eine Frage der Zeit zu sein.

Do und Doca

Die zweithöchste geographische Qualitätsstufe spanischer Weine nimmt der Qualitätswein mit kontollierter Herkunftsbezeichnung, Denominacion de Origen (DO), ein. Insgesamt gibt es heute in Spanien über 50 solcher Anbaugebiete. Laut spanischem Weinbaugesetz besitzt jedes Weinbaugebiet ein eigenes Kontrollgremium. Dieser Consejo Regulador kontrolliert die Einhaltung der zulässigen Hektarerträge und den Anbau der zugelassenen Rebsorten. Außerdem vergibt er die begehrten Rücken- oder Halsetiketten, auf denen zusätzliche Qualitätsmerkmale jeder individuellen Flasche garantiert werden. Über der DO steht die DOCa, die Denominacion de Origen Calificada. Diese Kategorie wurde 1991 eingeführt und bisher nur an die Riooja vergeben.

Die Bedeutung der Kellerbehandlung

Im Vergleich mit den anderen großen Weinbauländern Europas sind in Spanien alte, reife und abgelagerte Weine besonders beliebt. Der Hinweis "Vino Viejo", alter Wein, steigert den Absatz eines Weines in der Regel. Dies gilt jedoch nicht nur für teure Qualitätsweine. Auch einfache Land- oder Tafelweine werden vor dem Verbrauch nicht selten längere Zeit gelagert.

Weinrecht_07

Daher ist Spanien für Liebhaber solcher Gewächse ein Eldorado.

Das spanische Weingesetz sieht mit den Kategorien Sin Crianza, Vino de Crianza, Reserva und Gran Reserva vier Qualitätsstufen bezüglich des Ausbaus der Weine vor.

Sin Crianza: Die Vinos Jovenes

Die niedrigste Stufe der Kellerbehandlung besteht darin, die Weine nach der Gärung nicht in Barricas zu lagern, sondern sie bereits im Frühjahr nach der Lese in Flaschen abzufüllen. Sie werden als Sin Crianza ("ohne Ausbau") oder Vinos jovenes ("junge Weine") bezeichnet. Sie können sehr fruchtig und hervorragend sein und sollten jung getrunken werden.

Vino de Crianza

Die Vinos de Crianza müssen mindestens zwei Jahre gelagert worden sein. Für Rotweine ist ein Jahr im Eichenfass vorgeschrieben, für Weiß-und Roseweine ein halbes Jahr. In der Realität werden diese Vorgaben von den besseren Erzeugern weit überschritten. Was die eine Bodega als Vino de Crianza verkauft, wäre bei einem Konkurrenten möglicherweise bereits eine Reserva. lm allgemeinen sind Crianza-Weine bereits trinkfertig, wenn sie auf den Markt kommen.

Reserva

Für die Einstufung als Reserva müssen Rotweine mindestens drei Jahre gelagert worden sein, davon ein Jahr im Holzfass. Die seltenen weißen und rosefarbenen Reservas werden zwei Jahre ausgebaut, davon ein halbes Jahr im Fass. In der Realität werden diese Vorgaben von den Spitzenerzeugern oftmals weit überschritten, auch wenn heute ein Trend zu verkürzten Fasslagerzeiten feststellbar ist. Die besten Reservas können in der Flasche noch lange weiterreifen.

Gran Reserva

Die Spitze der spanischen Weinbaukunst stellt die Gran Reserva dar. Rotweine müssen zur Erlangung dieses begehrten Prädikats mindestens fünf Jahre lang gelagert worden sein, davon zwei Jahre in der Barrica. Weiß- und Roseweine brauchen für diese Einstufung eine Lagerzeit von vier Jahren, davon ein halbes Jahr im Holzfass. Allerdings gibt es heute kaum noch weiße und rosefarbene Gran Reservas. Besonders traditionsverbundene Erzeuger lassen ihre besten Weine oftmals Jahrzehnte reifen, bevor sie auf den Markt gelangen. Gran Reservas aus den besten Anbaugebieten und aus guten Jahrgängen sind nahezu unsterblich. Ausnahmeweine sind sogar nach 50 Jahren noch ein Genuss.