Kap der Guten Hoffnung

Kap der Guten Hoffnung

Obwohl das Land am Kap der Guten Hoffnung auf eine über 300-jährige Weinbautradition zurückblicken kann, sind die Weine aus Südafrika in Mitteleuropa erst seit wenigen Jahren wieder bekannt. Die Geschichte des Staates am südlichen Rand von Afrika war bis in die 1980er-Jahre hinein derart von politischen Wirren und ökonomischer Rückständigkeit gekennzeichnet, dass die landwirtschaftlichen und industriellen Produkte kaum auf die internationalen Märkte gekommen sind - mit einigen wenigen Ausnahmen in der Blütezeit des Kolonialismus. Der Weinbau in Südafrika begann im Jahre 1652 mit der Ankunft von Jan van Riebeek am Kapd er Guten Hoffnung, einem Kommandanten der Holländischen Ostindien-Gesellschaft. Der damals 33-jährige Riebeek gründete hier eine Proviantstation für die Seefahrer und wusste, dass Wein besser als Schiffsproviant geeignet war als Wasser, das in den Fässern oft faulte.

Wein sollte den Seeleuten zudem gegen die gefürchtete Mangelkrankheit Skorbut helfen.

Mit den Schiffen, die auf ihrem Weg von Europa nach lndien in Südafrika Proviant luden, kam 1655 die erste Schiffsladung mit Weinreben - hauptsächlich aus Frankreich - an das Kap, kurz darauf wurden die ersten Rebstöcke gesetzt. Vier Jahre später, am 2. Februar 1659, kelterte van Riebeek den ersten Wein. Er ahnte kaum, dass aus der kleinen "Raststelle" für die niederländischen Indienfahrer eines der bedeutendsten Weinländer der südlichen Hemisohäre werden sollte. Riebeeks erster erfolgreicher Versuch, Rebstöcke zu pflanzen und Trauben zu erzeugen, die auch einen trinkbaren Wein hervorbrachten, regte frei gelassene Leibeigene mit Recht auf eigenen Ackerbau -die so genannten Free Burghers - an, sich ebenfalls im Weinbau zu versuchen. Sie zogen von der Küste weiter landeinwärts und verbreiteten die Rebstöcke auf ihren neu gegründeten Weingütern.

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Doch weder Jan van Riebeek noch die Free Burghers verstanden sehr viel von der Weinbaukunst und stellten daher auch keine besonders guten Weine her. Erst Simon van der Stel, der spätere Gouverneur der Kapkolonie, bewies, dass hier hervorragender Wein hergestellt werden kann. Er gründete das Weingut Groot Constantia und baute es zu einem 750 Hektar großen Besitz aus, reorganisierte die lokale Farmergesellschaft durch Einführung von Kontingenten und gründete Stellenbosch, die erste Siedlung im Landesinneren von Kapstadt. Sein Sohn Willem Adrian van der Stel trat in die Fußstapfen des Vaters als Gouverneur und als Weinbauer.

Sein "Gardener Almanach" war die erste offizielle Beschreibung eines Weingutes in der

Kapregion. Doch die Rebellion der Free Burgher gegen den Gouverneur beendete dessen politische Karriere und seine Bemühunqen um einen qualitativ hochwertigen Weinbau - 1708 wurde Stel nach Holland verbannt, wo er den Rest seines Lebens im Exil verbrachte. Das Groot Constantia verfiel, bis es gegen Ende des 18. Jahrhunderts von der Cloete-Familie aufgekauft wurde und zu altem Glanz und Ruhm zurückfand. Der Erfolg des Weinguts wurde dann so groß, dass sich die Gläser vieler Berühmtheiten mit Constantia-Weinen füllten: Friedrich von Preußen importierte ihn, Jane Austin erwähnte ihn und Napoleon Bonaparte bevorzugte die süßen Weine von Constantia. Zum südafrikanischen Weinbau trugen zudem die französischen Hugenotten bei.

Sie entwickelten die Kunst des Weinbaus weiter, als sie nach ihrer Ankunft am Kap im Jahre 1688 ihre Kultur und ihr Wissen über Weingutsbetrieb und die Arbeit im Weinkellerein brachten. Die meisten Hugenotten siedelten sich im Franschhoek Valley an, wo die Namen der Weingüter noch heute die französisch geprägte Weinbaugeschichte bezeugen. Im 18. Jahrhundert kam es zu einer ersten großen Blüte des südafrikanischen Weinbaus. Bedingt durch die Handelskriege in Europa bezog England, das von den Weinen Frankreichs abgeschnitten war, zunehmend dem Port und Sherry ähnliche, meist süße Weine aus der Kapregion. Mit zunehmendem Wohlstand der Siedler entstanden die großen Landgüter, die bis heute die Landschaft am Kap prägen. Diese "goldenen Zeiten" des Weinbaus und -handels hielten aber nicht lange an.

Nachdem der europäische Weinhandel sich von den Kriegswirren erholt hatte, brach der internationale Weinmarkt für Südafrika zusammen. Als nach der Abschaffung der hohen Schutzzölle 1861 Frankreich wieder Wein nach Großbritannien ausführen konnte, wurde es zunächst still um Südafrikas Weinbau. In der folgenden tiefen Wirtschaftskrise brachen politische Unruhen aus - schwere Zeiten für die südafrikanischen Weinbauern zeichneten sich ab. Den Höhepunkt erreichte die Krise im Weinbau 1886, als die Reblaus auf ihrem Vernichtungszug rund um die Welt auch in Südafrika ankam und einen Großteil der Reben vernichtete. 20 Jahre dauerte der Wiederaufbau der Weinberge, und man setzte dabei auf äußerst ertragreiche Massenträger, sodass es bald nach der Wiederaufnahme der Produktion zu einem neuen unerwarteten Problem kam.

Die neuen Rebstöcke waren derart ertragreich, dass es zu einer massiven Überproduktion von Wein kam.

Nachdem nun der überseeische Markt kaum noch mehr Kapweine aufnehmen konnte, mussten Millionen Liter Wein mangels Abnehmern vernichtet werden. Viele Weingüter gingen in dieser Zeit bankrott, die Weinfarmer gaben das Rebland auf und wanderten in die neu entstehenden städte ab. Im Rahmen der Bemühungen um die Rettung der durch Überproduktion, Krieg und Wirtschaftskrise gebeutelten Weinbauindustrie wurde 1905 die erste Weinbaugenossenschaft gegründet. Die Genossenschaften strebten an, den traditionellen Konkurrenzkampf unter den Weinfarmern durch ein Systemkollektiven Handelns und Marketings zu unterbinden. Ein weiterer Vorteil der Bildung von Genossenschaften war, dass der Maschinenpark und das technische Wissen der Winzer gemeinsam genutzt werden konnte.

Klima und Böden

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Das Klima ist an der Südspitze des afrikanischen Kontinents für den Weinbau ideal. Die winterlichen Durchschnittstemperaturen sind hier ausgesprochen mild. Sie liegen im Juli bei 10°Celsius und entsprechen damit den winterlichen Temperaturen des europäischen Mittelmeerraums. Doch im Sommer wird es in der Kapregion lange nicht so heiß wie in Südeuropa. Das Geheimnis des südafrikanischen Klimas liegt im Meer. Ahnlich wie Kalifornien und Chile wird auch Südafrika durch eine kalte Meeresströmung beeinflusst. Durch den gewaltigen kalten Benguela-Strom aus der Antarktis wird das Kap der Guten Hoffnung im Januar durchschnittlich auf angenehme 25 Grad Celsius "herunter-gekühlt". Die besten klimatischen Bedingungen finden die Rebpflanzen in der Küstenregion. So liegen die qualitativ herausragenden Weinbaugebiete Südafrikas auch alle in diesem nur 50 Kilometer breiten Streifen zwischen der Küste und dem steil bis über 2000 Meter ansteigenden Kapgebirge. Hier herrscht ein feuchtes und gemäßigtes Klima.

Weiter im Landesinneren ist es hingegen heiß und trocken, und die hier bereiteten alkohol- und körperreicheren Weine

erreichen nicht die Qualität der Gewächse aus der Küstenregion. Hier ist fast durchweg künstliche Bewässerung nötig, um die Trauben zur Reife zu bringen. Die Böden sind in Südafrika allerdings weithin nicht ideal für den Weinbau. Ihr ph-Wert ist zu niedrig, die Böden sind also zu sauer, was bei den Weinen ein Ungleichgewicht in der Säurestruktur hervorrufen würde, wenn die Weinbauern dem nicht entgegenwirken würden. So bringen sie große Mengen Kalk in die Weinberge aus, um diese für den Anbau von Rebstöcken nutzbar zu machen. Im Keller sind dann auch noch einige spezielle Schritte nötig, um den Weinen unerwünschte Säuren zu entziehen und durch Azidifikation gewünschte Säuren hinzuzufügen. Anreicherung mit Alkohol ist hingegen in ganz Südafrika strikt untersagt.

Der Weinhandel

Trotz dieser deutlichen Vorteile des kooperativen Systems konnte die anhaltende Überproduktion nicht gebremst werden. Als Reaktion auf dieses Problem wurde 1918 die Kooperatieve Wijnbouwers Vereniging van Zuid Afrika (KWV) gegründet, die bis vor wenigen Jahren noch den Weinbau in Südafrika kontrolliert und dominiert hat. Die KWV entwickelte sich zu einer dynamischen kommeziellen Organisation, die die inländische Weinproduktion verwaltete und auch den Zwischenhandel belieferte, vor allem aber über die Festsetzung von Ezeugerquoten und Traubenpreisen die Überproduktion schon im Weinberg einzudämmen suchte.

Die Organisation übernahm etwa 70 Prozent der südafrikanischen Weinexporte und repräsentierte 5000 Weinezeuger.

Mittlerweile musste die KWV unter großem Druck die meisten ihrer Privilegien aufgeben. 1935 gründete der amerikanische Ara William Charles Winshaw die größte Produktions- und Vertriebsgenossenschaft, die Stellenbosch Farmers'Winery (SFW). Winshaw begann einen Wein zu produzieren, den er "Oude Libertas" nannte. Er konzentrierte sich auf die Herstellung naturbelassener Weine, die er als gesünder als die damals stark geschwefelten Weine erachtete.

Damit hatte er großen Erfolg - insbesondere mit seinem trockenen weißen "Lieberstein", dessen Verkäufe in astronomische Höhen stiegen. "Lieberstein" erzielte seinerzeit die weltgrößten Verkäufe für Markenwein. Später führten die Zusammenschlüsse und Übernahmen von Weingütern wie Monis of Paarl, VH Metterson, Nederburg and Sedgwick-Taylor dazu, dass SFW der größte Produzent mit einer Palette von naturbelassenen und geschwefelten Weinen sowie von Spirituosen wurde. Die zweitgrößte Produktions- und Vertriebsgenossenschaft die Distillers Corporation, wurde 1945 gegründet. Auch diese Gesellschaft expandierte durch Zusammenschlüsse und Übernahmen von Weingütern wie Drostdy Cooperative Cellars und South African Distillers. 1956 wurde ein Kontingentierungssystem in Kraft gesetzt, das gesetzlich die Anzahl der Rebstöcke pro Weinfarm limitierte.

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Dabei wurde der KWV das Recht zugesprochen, die Rebstockgröße festzusetzen und die Lage der Trauben zu kontrollieren.

Für die nächsten 15 Jahre wurden keine lmporte von Rebstöcken mehr zugelassen, was allerdings zum Problem wurde, als der internationale Konsumentengeschmack sich änderte und in Südafrika beispielsweise jahrelang kein gesunder, leistungsfähiger Chardonnay-Klon zur verfügung stand, während der Weinbau vergleichbarer Staaten am Chardonnay-Boom immense Summen verdiente. 1979 kam es zum größten Zusammenschluss in der Weingeschichte mit einer Restrukturierung des gesamten Weinhandels: Distillers, SFW und deren Untergesellschaften Henry Taylor and Ries verschmolzen zur Cape Wine and Distillers (CWD) Holding. 1988 wurde CWD aufgelöst, Distillers und SFW wurden an der Johannesburger Börse wieder separat gehandelt. Die South African Breweries (5AB), Rembrandt and KVW behielten je 30 Prozent des Aktienkapitals dieser Gesellschaften.

Eine weitere wichtige Weinhandelsgesellschaft in Südafrika ist heute W & A Gilbeys. Zu den unabhängigen Weinhandelsgesellschaften zählen auch Douglas Green Bellingham (DGB), Jonkheer Farmers Winery und Mooiuitsig Wynkelders. 1992 musste KWV die Kontingentierung schließlich ganz aufheben, um einen dem Wettbewerb verschriebenen freien Markt zu schaffen. Die Preise für das Lesegut und die Weine sind seither das Resultat von Angebot und Nachfrage; Reben durften mit der Aufhebung der Beschränkungen wieder überall gepflanzt werden.

Die wirtschaftlichen Erfolge der südafrikanischen Winzer sollten sich aber trotz guter Strukturen nicht vor Mitte der

1990er-Jahre einstellen. Das Land war auf Grund seiner Apartheidpolitik, die der schwarzen Bevölkerung grundlegende Freiheits- und politische Rechte verwehrte, international weitgehend isoliert. Wirtschaftsembargos der potenziellen Abnehmerländer für südafrikanische Weine verhinderten die Ausfuhr der Gewächse. Erst das Ende der Apartheid 1993/94 und die Öffnung der Weltmärkte für Südafrika brachten der Weinwirtschaft einen neuen Aufschwung. Da der heimische Verbrauch viel zu niedrig ist, um die gesamte Produktion aufzunehmen, sind Südafrikas Winzer auf den Export angewiesen. Mit erheblichen Investitionen und einer neuen Fokussierung auf qualitativ hochwertige Produkte reagierte Südafrikas Weinwirtschaft rasch auf die weltweit gestiegene Nachfrage.

Jan van Riebeek hätte es sich wahrscheinlich nie träumen lassen, dass sich aus den eher kümmerlichen Rebstöcken

in seinem Garten am Fuße des Tafelberges ausgedehnte Weinfarmen und komplexe Organisationen entwickeln würden. Die Natur der Südspitze des afrikanischen Kontinents mit ihrem rebholden Klima hat diese Entwicklung ermöglicht.

Weinbaustrukturen

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Der Weinbau in Südafrika ist unangefochten der bedeutendste landwirtschaftliche Produktionszweig des Landes. Der Weinbau bestreitet 30 Prozent des landwirtschaftlichen Produktionsvolumens und hat seine Heimat in der Kapprovinz an der südlichen Spitze des afrikanischen Kontinents zwischen dem 31 . und 34. Breitengrad.

Rund 100.000 Hektar Rebfläche unterteilen sich in die vier großen Weinbauregionen des Landes:

Olifants River, Coastal Region, Breede River Valley und Little Karoo. Mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund 90.000 Hektoliter jährlich steht Südafrika weltweit an siebter Stelle aller Wein produzierenden Länder. Mit der Einführung des Siegels "Wine of Origin" im Jahre 1972 wurde die südafrikanische Weinerzeugung an die internationalen Qualitätsstandards angepasst. Anhand dieser Herkunftsbestimmung lässt sich die Erzeugung eines Weines bis zum Erntedatum auf den Weinberg zurückverfolgen. Die vier Weinbauregionen Südafrikas sind weiterhin in insgesamt 14 Weinbaugebiete aufgeteilt, die hier Districts genannt werden. Die kleinste Einheit der südafrikanischen Weinbauregionen sind einzelne oder mehrere Weingüter - hier Estates genannt - mit eigenen oder gemeinsam betriebenen Verarbeitungskellern. Mehrere dieser Estates bilden einen so genannten Ward (Bezirk). Darüber stehen die 14 Districts, die aus einem oder mehreren Wards bestehen.

Als übergeordnete Einheit gelten die Weinbauregionen. Südafrikanische Weine mit Ursprungsbezeichnung haben eine sensorische und analytische Prüfung durch das Wine and Spirit Board zu bestehen, das über die Qualität der Weine und die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungenwacht. Alle als Wine of Origin (W.O.) bezeichneten Weine erhalten damit ein Prüfsiegel, das dem Verbraucher garantiert. dass die Angaben auf dem Etikett wie Herkunft, Rebsorte und Jahrgang überprüft worden und korrekt sind. Das Prüfsiegel und die Angabe Wine of Origin bedeutet, dass der Wein zu 100 Prozent aus der angegebenen Region, dem District oder dem Ward stammt und 75 Prozent der verarbeiteten Trauben in dem als Jahrgang angegebenen Lesejahr geerntet wurden.

Wenn eine Rebsorte genannt wird, besteht der südafrikanische Wein zu mindestens 85 Prozent aus dieser Sorte: Die meisten südafrikanischen Weine werden nach diesen Vorgaben sortenrein ausgebaut und zeigen daher auch einen deutlichen Sortencharakter.

Die Weinwirtschaft

Südafrika ist ein Land des Weißweins. Die Weißweinmenge übersteigt nicht nur die der Rotweine, sie ist auch noch ständig im Wachsen begriffen, während die Erzeugung von Rotweinen mit dem W.O.-Siegel neuerdings -seit 1996 - zurückgeht. Noch 1995 wurden in Südafrika als "Wines of Origin" gut 32 Millionen Liter Weißwein und 21 Millionen Liter Rotwein erzeugt, 1996 waren es bereits 42 Millionen Liter weiße und 25 Millionen Liter rote Weine.

lm Jahr darauf, 1997, ging die erzeugte Menge von Rotwein um ein halbes Prozent zurück der Weißwein veaeichnete abermals ein Plus und es wurden insgesamt 48 Millionen Liter abgefüllt. Der Rebsortenspiegel in Südafrika wird von den weißen Sorten mit 81 Prozent beherrscht. Führend ist die Sorte Chenin Blanc, die hier zu ausdrucksvollen und körperreichen Weinen ausgebaut wird und gut 26 Prozent aller Rebflächen des Landes besetzt, gefolgt von der Tafeltraube Sultana (Thomson Seedless) mit elf Prozent. Weiterhin sind Hanepoot, Cabernet Sauvignon, Cinsault, Sauvignon Blanc, Cape-Riesling, die südafrikanische Spezialität Pinotage und Semillon mit zwischen
vier und fünf Prozent der Fläche bedeutend.

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Die Tendenz zeigt allerdings, dass Chenin Blanc rückläufig ist und zunehmend Chardonnay, Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon angebaut werden.

Und auch der Pinotage gewinnt an Bedeutung und verzeichnete einen Zuwachs bei den Neupflanzungen von 16 Prozent im Jahre 1996. Weit über die Hälfte aller südafrikanischen Weine erhalten heute das Prädikat als Qualitätswein, ein Viertel aller Weine werden für die Herstellung von Branntwein und lndustriealkohol verwendet, fast jede zehnte Weintraube wird zu Saft oder Traubenkonzentrat verarbeitet. In Südafrika gibt es 78 Weingüter, die hier Estates heißen, und 145 Privatkellereien sowie vier Großkellereien, die durch den Begriff Vineyard gekennzeichnet sind. 85 Prozent der gesamten Weinmenge werden immer noch von Genossenschaften produziert.

Die Trauben für den südafrikanischen Wein stammen von insgesamt knapp 5000 Produzenten, die 45.000 Angestellte und Arbeiter beschäftigen. Allein bei den großen Genossenschaften arbeiten 3000 Menschen. Die Gesamtrebfläche beträgt rund 110.000 Hektal auf denen zu 90 Prozent Weintrauben angebaut werden, der Rest entfällt auf Tafeltrauben und Rosinen.

Das Nordkap

Als Nordkap wird die Region rund um den Orange River (Oranjerievier) und seine Nebenflüsse im zentralen Hinterland Südafrikas bezeichnet. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Douglas und Lower Orange River. Hier ist es immer heiß und staubig, und es regnet fast nie. Bewässerung ist dringend nötig, wenn die Pflanzen nicht in so großen Wasserstress geraten sollen, dass sie ihre vegetativen Funktionen schlichtweg einstellen. Mit Hilfe der Bewässerung werden hier große Erträge an einfachen Weinen erzielt.

Die wenigen geprüften Qualitätsweine vom Nordkap tragen auf dem Etikett den Hinweis Wine of Origin mit der

Angabe Douglas oder Eenede Oranje, wenn sie aus dem Orange River Valley stammen. Die Erzeugung von hochwertigeren, für den Export geeigneten Tischweinen steht hinter der Herstellung von Massenweinen, einigen aufgespriteten Dessertweinen und großen Mengen von Grundweinen für die Destillation, für die diese Regionen bekannt sind, allerdings gewaltig zurück. Über ein Zehntel der jährlichen Traubenernte Südafrikas wird hier gelesen.

Das Westkap

Die gesamte Region entlang der südafrikanischen Küste und deren unmittelbares Hinterland bezeichnet man auch als Westkap. 90 Prozent der südafrikanischen Weine kommen aus dieser riesigen Region, die eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Weinbaugebiete umfasst, die grob in zwei Kategorien zerfallen: die direkt in der Küstenregion gelegenen, gemäßigteren Anbaugebiete und die des direkten Hinterlandes, in denen es meist schon bedeutend heißer wird.

Stellenbosch

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Stellenbosch gehört zu den bekanntesten Weinbaugebieten Südafrikas. Mit etwa 13.700 Hektar nimmt es 16 Prozent der gesamten Rebfläche ein. Sandstein und Granit bestimmen den Bodencharakter in Stellenbosch. In nahezu allen Weinbaugebieten des Kaps ist die weiße Steen noch vorherrschend: In Stellenbosch geht ihr Anteil von 28 Prozent jedoch kontinuierlich zu Gunsten von international beliebten Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay und Merlot zurück.

Aus diesem Gebiet kommen aber auch einige der besten Pinotageweine und roten Verschnitte

a la Bordeaux, die in Eichenfässern ausgebaut werden. Bekannte Erzeuger sind Warwick, Rustenberg, Simonsig und Bezerskloof. In der Universität der Stadt Stellenbosch gibt es eine wissenschaftliche Abteilung für Weinbau und Önologie.

Constantia

Die Weingüter des bei Kapstadt gelegenen kleinen Weinbaugebietes Constantia zählen ebenfalls zur Coastal Region. An den auslaufenden Hängen des Constantiaberges bestehen die Böden vorwiegend aus Granit, Schiefer und Sandstein. Kalkeinschlüsse ermöglichen hier eine gute Feuchtigkeitsaufnahme.

Insbesondere für den Anbau von Premium-Rebsorten ist die Gegend gut geeignet.

Unter den weißen Rebsorten von Constantia finden sich Sauvignon Blanc, Chardonnay, Rhein-Riesling, Gewürztraminer und Steen; neben Cabernet Sauvignon und Pinot Noir sind Merlot und Cabernet Franc die Vertreter der roten Sorten. Die Erzeuger von Constantia haben ihre Reben vorwiegend auf den roten Granitböden am Fuße des Berges gepflanzt. Hier ist das Klima warm und gemäßigt, ausreichend Niederschläge machen eine künstliche Bewässerung überflüssig. Die Weingüter Buitenverwachting, Groot Constantia und andere erzeugen eleganten Chardonnay, kräftigen Cabernet Sauvignon, einen süßen Muskateller mit dem Namen "Vin de Constance" und Sauvignon Blanc-Weine.

Paarl

In Paarl, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Kapstadt, wachsen die Rebstöcke auf rund 17.000 Hektar Granit, Sandstein und Schwemmboden. Die Sommer sind hier vergleichsweise heiß und trocken. Da das Gebiet etwa 20 Kilometer vom Ozean entfernt ist, fehlen in Paarl die kühlenden Meereswinde, außerdem fällt hier weniger Niederschlag, was die künstliche Bewässerung notwendig macht. Die Rebsorte Steen bedeckt 35 Prozent der Rebfläche von Paarl, die allerdings zunehmend mit Sauvignon Blanc und Pinotage bestockt wird. ln Paarl sitzen zahlreiche Erzeuger, darunter Villiera, Backsberg und der Gigant Nederburg. Hier befindet sich auch der Hauptsitz der großen Genossenschaft KWV.

Die aufgespriteten Weine aus Paarl kommen nicht mit der Herkunftsangabe "Paarl", sondern mit der Wine of Origin

Auszeichnung Boberg oder Boberg Region auf den Markt. Zu Paarl gehört auch das Gebiet Franschhoek ("Franzosenwinkel"), das gegen Ende des 17. Jahrhunderts von französischen Hugenotten, die aus ihrem Heimatland vertrieben worden waren, besiedelt und dabei nach französischem Vorbild als Weinanbaugebiet kultiviert wurde. Damit ist Franschhoek das älteste systematisch bewirtschaftete Anbaugebiet in Südafrika. Aus diesem Gebiet kommen neben den üblichen Weißweinen auch bemerkenswerte Schaumweine, die nach der klassischen Methode der Flaschengärung bereitet werden.

Tulbagh

Tulbagh, mit knapp 800 Hektar Rebfläche eines der kleinsten Weinbaugebiete Südafrikas, liegt im Breede River Valley, nahe dem Anbaugebiet Worcester. Die aufgespriteten Dessertweine aus Tulbagh kommen wie die aus Paarl unter der WO Boberg in den Handel.

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Worcester

Das Anbaugebiet Worcester gehört zur Region Breede River Valley und zählt mit seiner Rebfläche von 18.500 Hektar zusammen mit Paarl zu den größten des Landes. Die Weinberge reihen sich an den zahlreichen Flussläufen auf, die das Gebiet durchziehen. Hier ist das Klima wärmer als in den unmittelbaren Küstengebieten und macht Bewässerung erforderlich. Der Steen wird ergänzt um Colombard und Hanepoot. Aus den geernteten Trauben wird ein breites Spektrum von Produkten von Saft über Wein und Schaumwein bis Brandy erzeugt.

Robertson

In einer Verlängerung des Breede River Valley schließt sich südlich von Worcester das Anbaugebiet Robertson an. Es umfasst 10.540 Hektar und zählt damit zu den flächenmäßig größten Weinbaugebieten des Landes. Hier befinden sich die kalkhaltigsten Böden des Kaps. Mit 44 verschiedenen Rebsorten ist der Weinbau in diesem Gebiet sehr vielfältig. Als Rotweinspezialität hat sich der Shiraz hier einen Namen gemacht. Gute Erzeuger sind die Kooperative Nuy, De Wetshof und Graham Beck. Außerdem gibt es im Breede River Valley rund um die Stadt Swellendam im gleichnamigen Gebiet auf 300 Hektar Rebpflanzen.

Klein Karoo

Klein Karoo ist eine regenarme, vom Meer abgewandte Gebirgsregion. In den Talsohlen und an den Flussböschungen gibt es jedoch die fruchtbarsten Böden Südafrikas. Auf recht großen Plantagen werden vor allem die Trauben für die Erzeugung von Grundweinen für die Produktion sherryähnlicher Weine sowie von Branntweinen und Süßweinen gelesen. Die Rebfläche von Klein Karoo umfasst 3276 Hektar. Als Rebsorten sind Muscat Blanc, Cinsault, White French, Saint Emilion und Folle Blanche vertreten.
Eine touristische Attraktion Klein Karoos sind neben den für Besucher offenen Weingütern auch die zahlreichen Straußenfarmen des Gebietes. Von den Erzeugern in der Region Klein Karoo ist vor allem Boplaas zu nennen, der aufgespritete Weine im Portstil erzeugt.

Swartland

Ein relativ junges Weinbaugebiet ist Swartland. Nordwestlich von Kapstadt gelegen, erstreckt es sich von Durbanville bis zur Region westlich des Berg River und bis hin zum Atlantischen Ozean und grenzt im Osten an das Anbaugebiet Piketberg in der Region Olifants River. Seine Rebfläche umfasst inzwischen rund 11.000 Hektar. Der Weinbau konzentriert sich um die Hügel rund um die Städte Malmesbury, Pferdeberg, Riebeek West, Riebeek, Kasteel und Darling. Der Boden ist fruchtbar, und auf Grund seiner lehmigen Struktur verfügt er über eine gute Wasserspeicherfähigkeit. Neben dem Steen, der fast die Hälfte der gesamten Rebfläche einnimmt, sind Pinotage, Cabernet Sauvignon sowie die Portwein-Sorte Tinta Barocca vertreten. Bekannte Erzeuger sind das Weingut "Allesverloren", das auch gute gespritete Weine exportiert, sowie die Kooperative Swartland.

Olifants River

Die nördlichste Weinbauregion des Westkaps grenzt direkt an die Atlantikküste und zieht sich am gleichnamigen Fluss entlang nach Südosten ins Landesinnere hinein. Sie ist vor allem mit seinen Destillaten und Dessertweinen bekannt geworden. Ein aufgespriteter Süßwein des Gutes Brakfontein bei Citrusdal soll um 1815 Napoleons Exil auf St. Helena versüßt haben. Das trockene, warme Klima am Olifants River verlangt nach einem umfangreichen Bewässerungssystem. Neben Südafrikas Klassiker Steen dominieren hier French Blanc, Hanepoot und Colombard. Zu den renommiertesten Erzeugern gehören Bouchard-Finlayson und Hamilton Russel, zu den größten Südafrikas die Vredendal Cooperative. Insgesamt sind 25.000 Hektar mit Reben bestockt, die sich auf die Districts Douglas, Overberg, Piketberg und einige kleinere Gebiete verteilen.

Durbanville

Das kleine Weinbaugebiet Durbanville grenzt südlich an das Swartland an. Seine Reben stehen auf den Granitböden des Dorstberg-Gebirges und reichen bis in die nördlichen Vorstädte von Kapstadt hinein. Die Trauben aus diesem Gebiet sind bei Großvermarktern der Region sehr gefragt. Auch hier ist der Steen die den Weinbau bestimmende Rebsorte, aber auch Pinotage und Shiraz bringen gute Weine hervor.