Weinbau auf dem Rückzug

Weinbau auf dem Rückzug

Die bei uns bekanntesten Weine aus Nordafrika stammen aus Tunesien, das über etwa 30.000 Hektar Rebfläche verfügt. Ein Großteil der Produktion von jährlich 400.000 Hektoliter geht in den Export, der Rest steht dem Durst der unzähligen Touristen zur Verfügung. Nach französischem Vorbild werden aus Carignan und Alicante Bouschet, in geringerem Umfang auch aus Cabernet Sauvignon, Cinsaut und Mourvedre Rot- und Roseweine produziert. Daneben gibt es aber auch ordentliche Weißweine aus dem Muscat de alexandria, allerdings in geringeren Mengen. Der größte Erzeuger des Landes ist die Union des Cooperatives Viticoles de Tunisie, von dem der bekannte Chäteau Mornag stammt.

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Mit der Schaffung eines staatlichen Büros (Office du Vin) zur Überwachung der

Weinproduktion im Jahre 1970 konnte die Qualität der Weine erheblich verbessert werden. Das Office du Vin schuf auch die ersten Appellationen nach französischem Vorbild wie etwa die Appellation Vin Muscat de Tunisie, ein Qualitätsiegel für Muskat-Likörweine. Auf eine etwa 2000-jährige Weinbautradition blickt der Nachbarstaat Algerien zurück. Der Einfluss der französischen Kolonialherrschaft sorgte in der Mitte des 20. Jahrhunderts für eine weite Ausdehnung der Rebflächen und eine qualitative Steigerung algerischer Weine.

Heute stehen in Algerien aber nur noch etwa 40.000 Hektar Land unter Reben, die vom Office National de Commercialisation des Produits Viticoles (ONCV) in sieben Qualitätsweinbaregionen unterteilt wurden. Recht einfache Rotweine von hohem Alkoholgehalt dominieren das algerische Weinsortiment, doch erzeugen einige Winzer auch hervorragende Tropfen aus den Rebsorten Cinsaut, Carignan und Grenache, die den Vergleich mit ihren französischen Vorbildern aus dem Languedoc kaum zu scheuen brauchen.

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In Marokko stehen etwa 15.000 Hektar Land unter Reben. Hier wurde der Weinbau ebenfalls von den Franzosen vorangetrieben. Neben vielen einfachen Rotweinen gibt es aus dem Gebiet um Möknes aber auch ausgezeichnete Weine, die neuerdings vermehrt in den Export gelangen, wie der Cabernet Sauvignon/Merlot-Verschnitt L'Excellence de Bonassia der Domaine Bonassia. Ein großer Teil der Produktion wird vor allem von den vielen ins Land strömenden Touristen verkonsumiert.

Einige wenige Weine besitzen einen Appellationsstatus, der hier als Appellation d'Origine

Garantie (AOG) bezeichnet wird und ähnlich strengen Kontrollen unterliegt wie in Frankreich die AC-Weine. Sehr erfrischend sind die hellen, fruchtigen Roseweine Marokkos wie der Gris Boulaouane.

In all diesen nordafrikanischen Weinbauländern sind die größten Probleme für den Weinbau einerseits das fehlende Kapital zur Modernisierung der Kellereien sowie andererseits die auf Grund des moslemischen Glaubens der Bevölkerung sehr geringe inländische Nachfrage nach alkoholischen Getränken.