Nordwestitalien

Nordwestitalien

Auch in Nordwestitalien gedeiht der Weinbau oftmals nur in klimatisch besonders begünstigten Lagen wie in den Anbaugebieten am Westufer des Gardasees, an der Rlviera del Garda Bresciano, in den engen Tälern reißender Gebirgsflüsse wie im Valtellina und im Valle d'Aosta, oder an den Abhängen des Alpenvorlandes wie in Gattinara, Ghemme, Carema und Erbaluce di Caluso. In diesen subalpinen Regionen müssen die Rebflächen terrassiert und den Bergen parzellenweise abgetrotzt werden. Gemessen an der Gesamtrebfläche Italiens sind diese Anbaugebiete winzig, qualitativ hingegen nehmen sie einen hohen Rang ein. Von ihrer südlicheren Lage profitieren die hügeligen Anbaugebiete Lugana im Süden des Gardasees, Franciacorta in der Provinz Brescia und schließlich das "Herz" des nordwestitalienischen Weinbaus, die Hügellandschaft des Monferrato und der Langhe, die einige unvergleichliche Weine hervorbringt, die zu den besten Italiens zählen.

Piemont

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Was die ungehemmte Erforschung der Rebsorten und aus ihnen zu gewinnenden Produkte angeht, ist Piemont (auf Italienisch Piemonte) in Europa unerreicht. Auf den steilen Hängen reifen einheimische Trauben in solcher Vielfalt, dass internationale Reben nur sehr selten angepflanzt wurden. Jede dieser indigenen Trauben hat etwas Besonderes zu bieten. Jede wird sortenrein, häufig in verschiedenen Stilen, verarbeitet und ebenso mit anderen in Verschnitten kombiniert, die von Fall zu Fall traditionell oder experimentell, konventionell oder ungewöhnlich sind. Erstere tragen oft ein DOC- oder DOCG-Siegel, Letztere nicht - aber das sagt nichts über ihre Qualität. Rote geben den Ton an, wobei sich jedoch Moscato in verschiedenen Erscheinungsformen mit dem Asti Spumante als wohl der bekanntesten schon lange behaupten kann.

Cortese ist ebenfalls eine gute Weißweintraube, die sich jetzt auch im Gavi bewährt, und Arneis liegt derzeit in den

Langhe verdientermaßen im Trend. Aber wer von bedeutenden Weinen Piemonts spricht, muss mit einer Liste der dunklen Reben beginnen, die sich im rauen Klima dieser subalpinen Region wohlfühlen. Qualitativ ist Nebbiolo der Spitzenreiter. Sein Name spielt auf den Nebel (nebbia) an, der im Herbst nicht nur regelmäßig den Mailänder Flughafen lahmlegt, sondern auch die satten Bilder goldblättriger Reben, die sich zu den grauen Dörfern auf den Gipfeln der Hügel hinaufziehen, wunderbar weichzeichnet.

Der südlich von Alba, am Ufer des Tanaro bis auf 490 Meter ansteigende Bereich der Langhe bietet jene geschützten Hügellagen und Böden, eben die Sonne und Feuchtigkeit, die den Nebbiolo in Barolo südwestlich von Alba und in Barbaresco im Osten zu Bestform auflaufen lassen. Der Barolo, dessen Stil von einem Höchstmaß an Konzentration, Tanninen und Alkohol geprägt ist, hat keine allzu lange Geschichte, aber dafür Überzeugungskraft, und seine Erzeuger lassen ihm die ganze urwüchsige Fülle, die ihre Reben dem Wein mitgeben. Unerfahrene, Vorsichtige und Bordeaux-Liebhaber sollten mit sanfteren, weniger wuchtigen Nebbiolo-Erzeugnissen wie Nebbiolo d'Alba oder Roero beginnen.

Quantitativ ist Barbera der Spitzenreiter, und dennoch besitzt die Traube ebenfalls Überzeugungskraft. Der Wein kann schwerfällig sein, aber guter Barbera - das heißt Barbera ohne Überertrag - hat genau das richtige Maß an Fülle und Festigkeit und mundet mit seiner frischen Säure wundervoll zu schlichten, herzhaften Speisen.

Dolcetto ist ganz anders. Keine andere Rotweinrebe vermag bei manchmal verblüffender Trockenheit derart zu

schmeicheln, und es klingt vielleicht seltsam, aber zu gehaltvollem Essen ist Dolcetto der perfekte Auftakt: ein großartiger Begleiter zu Antipasti, vor allem kalten Fleischgerichten. Normalerweise ist er nicht auf lange Alterung ausgelegt. In seiner Hochburg Dogliani mühen sich einige Erzeuger redlich, ihn in neuen Fässern zu einem entschiedenen, ernsten Charakter umzuerziehen, was zu dem ursprünglich saftigen, fruchtbetonten Wesen des Dolcetto meist nicht so recht passen will.

Ein absolutes Kontrastprogramm dazu bilden der oft perlende und mitunter sogar süße Freisa sowie der Grignolino, der mit seiner blassen, milden, aber merklich bitteren Art dem in Nordwestitalien verbreiteten Weinstil entspricht. Manche Winzer, beispielsweise Vajra, formen allerdings aus Freisa auch imposante und kraftvolle Tropfen mit gutem Alterungspotenzial.

Nimmt man dann noch die lebhaften, leichten Sorten wie Bonarda, Croatina und Vespolina hinzu, scheint das Spektrum möglicher Mischungen nahezu unbegrenzt.

Die nachfolgende Liste spiegelt die ganze Komplexität dieser Region, die mehr DOCs und DOCGs als jede andere ihr Eigen nennt und dazu viele Tafelweine ohne offizielles Gütesiegel im Angebot hat. Weiter gefasste regionale DOCs wie Langhe, Monferrato und Piemonte bieten nicht nur zahlreichen Weinen ohne bisherige DOC-Anerkennung einen legalen Raum, sondern erlauben auch das Verschneiden von zwei und mehr Sorten unter dem Namen einer offiziellen Denomination.

Nirgends in Italien ist die Verwendung französischer Eiche so umstritten wie in Piemont.

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Traditionalisten lassen beispielsweise Barolo, Barbera und Dolcetto von jeher in großen Fässern reifen, während Pioniere wie Elio Altare und Angelo Gaja seit den 1980 er-Jahren auch Barriques einsetzen. Es hat wenig Sinn, Partei zu ergreifen, schließlich findet man unter den Weinen der traditionellen Schule genauso großartige Exemplare wie unter den Vertretern der "Moderne". Zudem verbinden die meisten Erzeuger heutzutage ohnehin das Beste aus beiden Welten. Die Qualität der gelesenen Trauben ist meist von viel größerer Bedeutung als der Behälter, in dem der Wein reift.

Riviera del Garda Bresciano

Entlang des Westufers des Gardasees und in dessen Hinterland erstreckt sich die DOC Riviera del Garda Bresciano. Hier steht vor allem die rote Groppello-Traube im Anbau, die einen fruchtigen, gelegentlich auch gehaltvollen Rotwein hervorbringt. Der Rosewein, der - wie auf dem gegenüberliegenden Ufer des Sees im Bardolino-Gebiet - hier als Chiaretto bezeichnet wird, ist überaus fruchtig, spritzig und erfrischend. Die produzierten Mengen sind allerdings nicht sehr groß, und die allermeisten dieser Weine landen in den durstigen Kehlen der unzähligen Touristen rund um den als Urlaubsziel äußerst hoch geschätzten Gardasee, zumal sie hervorragend mit der regionalen Küche harmonieren. Für Weine aus anderen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder Chardonnay gilt wie überall rund um den Gardasee die allgemeine DOC Garda.

Lugana

Am Südende der Riviera del Garda Bresciano ändert sich die Landschaft am Gardasee. Die Steilufer weichen, die Landschaft weitet sich und geht in ein liebliches Hügelland und schließlich in Flachland über. In diesem Bereich wachsen die Trauben für den weißen Lugana. Er wird aus der in Italien weit verbreiteten Trebbiano-Traube erzeugt, die unter den klimatischen Bedingungen an der riesigen Wasserfläche ihr volles qualitatives Potenzial entwickeln kann. Die Beimischung von bis zu zehn Prozent Ergänzungssorten ist zulässig. Die DOC Lugana umfasst ca. 700 Hektar Rebfläche. Der fruchtige und charaktervolle Lugana besitzt eine typische mineralische Geschmacksnote und zählt zu den besten Weißweinen der Region. Bekannter Erzeuger ist Lamberti.

Franciacorta

Das kleine, gut 1000 Hektar umfassende, aufstrebende Weinbaugebiet Franciacorta befindet sich in der lombardischen Provinz Brescia. Seine Weinberge liegen südlich des Lago di Iseo in eiszeitlichem, sanft gewelltem Hügelland. Bekannt geworden ist das Anbaugebiet durch seine vorzüglichen Schaumweine nach der traditionellen Art der Flaschengärung, die ihm den Ruf einer "kleinen Champagne" eingebracht haben. Für den Spumante, den DOCG Franciacorta, sind die Rebsorten Chardonnay, Pinot Nero, Pinot Bianco und Pinot Grigio zulässig. Nach und nach lernten die Erzeuger aber auch, mit den Stillweinen DOC Terre di Franciacorta an das hohe Niveau der Schaumweine anzuknüpfen. Zudem stellen sie hochwertige, in Barriques ausgebaute IGT-Rotweine aus den Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot sowie IGT-Rotweine aus Pinot Nero und IGT-Weißweine aus Chardonnay her. Das große Engagement der Erzeuger und ihre hohen lnvestitionen in modernste Kellertechnik lassen erwarten, dass roter wie weißer, stiller wie schäumender Franciacorta in der Zukunft einen Platz unter den Top-Weinen Italiens einnehmen wird. Bekannte Erzeuger sind u.a. Ca'del Bosco, Uberti, Bellavista und Monte Rossa.

Valtelina

Im äußersten Norden der Lombardei in direkter Nähe zur Schweizer Grenze liegt das Anbaugebiet DOCG Valtellina, in dem aus dem hier als Chiavennasca bekannten Nebbiolo mit Zusätzen von Pinot Nero, Merlot und einigen lokalen Sorten ausschließlich Rotwein erzeugt wird. Hier befinden sich die sehr steilen Weinberge am Nordufer des genau in Ost-West-Richtung verlaufenden Alpenflüsschens Adda und sind exakt nach Süden ausgerichtet. Der auf 700 Hektar erzeugte einfache Valtellina ist bereits zumeist sehr ansprechend, auch wenn in dieser weit nördlichen Lage in schlechten Jahren die unreife Säure stark in den Vordergrund treten kann.

Höherwertige Weine aus einer Kernzone von 500 Hektar tragen die Bezeichnung DOCG Valtellina Superiore mit der

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Nennung der Unterbereiche Sassella, Grumello, Inferno und Valgella sowie gelegentlich auch Paradiso. Der Sassella gilt als der beste Wein dieses Quartetts. Er ist tanninreich, langsam reifend und vereinigt nach einigen Jahren der Flaschenreife Kraft mit großer Feinheit. Der Grumello ist ähnlich, besitzt jedoch nicht die Kraft des Sassella. Der Inferno entwickelt sich nach einigen Jahren der Flaschenreife zum harmonischsten Valtellina Superiore. Sehr hoch liegen die Weinberge des Valgella, des feinsten und leichtesten der lombardischen Nebbiolo-Weine. Aus rosinierten Trauben werden kleine Mengen eines hervorragenden, alkoholreichen Strohweins erzeugt, der unter dem Namen Sforzato (Sfurzat) in den Handel gelangt. Einen guten Namen haben u.a. Casa Vinicola Triacci, Nino Negri und Aldo Rainoldi.

Gattinara und Ghemme

Im Südwesten des Lago Maggiore liegen die DOCG-Weinbaugebiete Gattinara und Ghemme, in denen aus dem hier als Spanna bezeichneten Nebbiolo Rotweine erzeugt werden. Diese sind jedoch im Gegensatz zu den Nebbiolo-Weinen des Monferrato und der Langhe nicht ganz sortenrein, sondern werden unter Verwendung von Bonarda und der lokalen roten Vespolina produziert. Der Nebbiolo fällt in der nördlicheren Lage etwas leichter, aber auch pikanter aus als rund um Barolo und Barbaresco. Gattinara und Ghemme müssen vor dem Verkauf vier Jahre ausgebaut werden, davon mindestens zwei Jahre im Holzfass. Danach kann vor allem ein Gattinara aus einem guten Jahrgang mindestens ein Jahrzehnt in der Flasche weiter reifen und kann sich auf dem Höhepunkt mit den besten Nebbiolo-Weinen messen. Ahnlich, wenn auch leichter und weniger langlebig sind die seltenen DOC-Weine aus dem näheren Umfeld namens Boca, Sizzano, Fara, Bramaterra und Lessona. Bekanntester Erzeuger der Region ist u.a. Nervi.

Valle d'Aosta (Aosta-Tal)

Das Valle d'Aosta erstreckt sich 35 Kilometer westlich und östlich des vom mächtigen Sankt Gotthard überragten Alpenstädtchens Aosta. Im Grenzgebiet zu Frankreich und der Schweiz liegen verstreut in der wild-zerklüfteten Bergwelt die 1000 Hektar Rebflächen des kleinen Anbaugebietes. Sie schmiegen sich eng an die Schlucht, die vom Alpenflüsschen Dora Baltea durchströmt wird. Der beste Wein des Aosta-Tals ist der kraftvolle und sehr feine rote Donnaz, der im unteren Bereich des Tals aus der Nebbiolo-Rebe ezeugt wird. Etwas leichter präsentiert sich der ebenfalls aus Nebbiolo produzierte Arnad-Montjovet. Aus der lokalen roten Rebsorte Petit Rouge entsteht ein leichter, angenehmer Rotwein namens Enfer d'Arvier. Im Verschnitt mit Dolcetto, Pinot Nero und Gamay ergibt diese Traube außerdem den roten Chambave. Die höchsten Weinberge Italiens liegen in den Orten Morgex und La Salle, wo bis zu einer Höhe von über 1000 Metern Weißwein wächst. Die Erzeugung ist insgesamt so gering, dass die Weine des Valle d'Aosta praktisch nur in der Region selbst bekannt sind. Bekanntester Erzeuger dürfte u.a. das Weingut Les Crötes sein.

Carema und Erbaluce di Caluso

50 Kilometer nördlich von Turin liegt am Fuße der Alpen, genau am Eingang zum Valle d'Aosta, der kleine, idyllische piemontesische Ort Ivrea. Nördlich davon erstreckt sich an den Südhängen der Voralpen das nur rund 100 Hektar große Anbaugebiet DOC Carema. Der gleichnamige Rotwein wird aus dem Nebbiolo erzeugt, der hier in steilen Terrassen angebaut wird, um seinen Trauben die Vollreife zu ermöglichen. Vor dem Verkauf wird der Carema vier Jahre lang ausgebaut, davon zwei Jahre im Holzfass. In der Ebene südlich von Ivrea befindet sich das Anbaugebiet DOC Erbaluce di Caluso. Aus der lokalen weißen Rebsorte Erbaluce entsteht hier ein trockener, körperreicher und säurebetonter Weißwein, der zu den besten des Piemonts zählen kann. Zudem erzeugen die Winzer rund um das kleine Weinbaudorf Caluso aus rosinenartig eingetrockneten Trauben einen süßen, alkoholreichen Erbaluce Passito.

Monferrato und Langhe

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Unter dem Gesichtspunkt der Weinerzeugung ist die Region des Monferrato und der Langhe herausragend und nimmt gemeinsam mit der Toskana in qualitativer Hinsicht wohl den ersten Rang in Italien ein. Die beiden Bereiche dieser Region werden durch den Fluss Tanaro voneinander getrennt. Von den insgesamt ca. 70.000 Hektar Rebfläche kommen Weine, die es in dieser Form nur hier gibt und die unvergleichlich sind. Grund dafür sind die Rebsorten, von denen einige nur hier vorkommen, andere wiederum in dieser Region am besten gedeihen. Der "Star" ist der überragende Nebbiolo, aus dem einzigartige Rotweine entstehen. Selbst die findigen und innovativen Winzer in den dynamischsten Weinbaugebieten in Übersee haben sich bisher an die Kultivierung des äußerst anspruchsvollen Nebbiolo kaum herangewagt. Dazu kommen als Spezialitäten die roten Sorten Grignolino, Dolcetto und Freisa, bei den Weißen Cortese, Favorita und Arneis.

Doch auch die verbreiteten Sorten wie vor allem der Barbera gedeihen um Asti und Alba herum besser als in allen

anderen italienischen Weinbauregionen. Um das Weinbauzentrum Asti erstrecken sich die Hügel des Monferrato, um das Dorf Alba die der Langhe. Hier entstehen all die Barolo-, Barbaresco-, Nebbiolo- und Barbera-Weine, die dem Piemont zu seinem Weltruhm verholfen haben. Gegenüber diesen schon lange als herausragend bekannten Rotweinen haben die Weißweine in den letzten Jahrzehnten mächtig aufgeholt. Der Asti Spumante war gemeinsam mit dem Lambrusco und dem Chianti jahrzehntelang wahrscheinlich der bekannteste Wein Italiens. Seit seiner Erhebung in den Adelsstand des italienischen Weines heißt er DOCG Asti. Und auch die Gavi-Weine sind durch ihre Einstufung als DOCG für ihr langjähriges Bestreben nach höherer Qualität belohnt worden. In den vergangenen Jahrzehnten haben fortschrittliche Winzer auch im Piemont begonnen, mit der klassischen französischen Rebsorte Chardonnay zu experimentieren.

Der Erfolg besteht in hervorragenden, duftigen, körperreichen Weißweinen mit ausgeprägten exotischen Fruchtaromen.

Immerhin gelangen diese "neuen" Weine hier in den Genuss der umfassenden DOC Piemonte und müssen nicht - wie andernorts in Italien üblich - als Landweine (IGT) oder als Tafelweine vermarktet werden. Das Piemont ist eines der wenigen Weinbaugebiete der Welt, in dem es "einfache" Weine kaum gibt, da selbst die einfachsten Abfüllungen meist schon von besonderer Qualität sind. Folglich ist auch die Zahl der empfehlenswerten Erzeuger riesig. Deshalb seien hier nur stellvertretend einige Top-Erzeuger erwähnt: Paolo Scavino, Azelia, Silvio Grasso, Roberto Voerzio, Prunotto, Armando Parusso, Brovia, E. Pira & Figli, Michele Chiarlo, Roberto Voerzio, Vigna Rionda, Monfalletto, Bruno Giacosa, Enzo Boglietti, Domenico Clerico, Podere Rocche dei Manzoni, Mauro Molino, Conterno, Andrea Oberto, Mauro Veglio, Fontanafredda, Gaja, Bricco Rocche, Rino Varaldo, Bruno Rocca, Pelissero, La Spinetta, Marchesi di Barolo, Podere Luigi Einaudi und Vietti.

Monferrato

Im Weinbaubereich Monferrato in der Provinz Asti dominiert der Barbera. Der Barbera del Monferrato sollte jung getrunken werden, da sein größter Vorzug in seiner Fruchtigkeit liegt. Nördlich des Barbera-Gebietes entsteht der Grignolino d'Asti. Der Grignolino ist eine wenig farbintensive Rotweintraube, die einen hellroten, eleganten Wein ergibt. Er eignet sich nicht für eine längere Lagerung und sollte ebenfalls jung getrunken werden. Zentrum des Weinbaus im Monferrato ist die berühmte Stadt Asti. Die DOCG Asti ist dem süßen und äußerst beliebten Schaumwein aus der Moscato-Traube (Muscat Blanc ä Petits Grains) vorbehalten, der früher als Asti Spumante bekannt war. Neben diesem bringt Asti aber auch noch einige wunderbare Rotweine hervor. Der Löwenanteil der Barbera d'Asti besteht in fruchtigen, säurebetonten und jung zu trinkenden Rotweinen. Die besten Barbera d'Asti werden heute auch in Holzfässern ausgebaut und unter Angabe von Lagenbezeichnungen in den Handel gebracht.

Die körper- und säurereichen Rotweine haben ein ausgezeichnetes Entwicklungspotenzial und reifen zu vollmundigen

Gewächsen mit feinem Bukett. Dabei übertreffen sie an Statur so manchen leichteren Nebbiolo-Wein. Leicht und ebenfalls jung zu trinken ist der Dolcetto d'Asti aus der früh reifenden Dolcetto-Traube, der einen delikaten Bittermandelton im Geschmack aufweist. Auf den höheren Lagen der Monferrato-Berge rund um Asti wird Weißwein angebaut. Die Cortese-Traube bringt hier den frischen, fruchtigen und recht neutral schmeckenden Cortese dell'Alto Monferrato hervor.

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Ein kleiner Bereich südwestlich von Asti unterscheidet sich hinsichtlich seiner Böden deutlich vom restlichen Monferrato. In diesem als Roero bezeichneten Untergebiet findet auf sandigen Böden der Nebbiolo gute Bedingungen vor. Da dieser Bereich wesentlich näher an Alba als an Asti liegt, wurden die Rotweine früher als Nebbiolo d'Alba etikettieft, heute besitzen sie mit der DOC Roero jedoch eine eigene Herkunftsbezeichnung. Die besten dieser Weine ähneln leichteren Versionen des Barolo oder Barbaresco. In höheren Lagen des Roero ist die lokale Weißweinsorte Arneis heimisch, aus der der DOC Roero Arneis erzeugt wird, ein wüziger, nicht besonders säurereicher Weißwein.

Langhe

Die hügeligen Langhe südlich des Tanaro sind der qualitativ beste Weinbaubereich des Piemont. Sie erstrecken sich südwestlich und östlich des Weinbauortes Alba 50 Kilometer südlich von Turin. Alba ist einer der bedeutendsten und außer-gewöhnlichsten Weinorte der Welt, denn in seinem Umkreis wachsen einige der herausragendsten Weine Italiens. Einige Kilometer südwestlich von Alba entsteht der großartige Barolo, wenige Kilometer östlich dieser Weinmetropole der ebenbürtige Barbaresco. Im Umkreis der Stadt gedeihen aber auch noch andere Spitzenweine, sodass man sagen kann, dass es einfache Gewächse in den Langhe eigentlich nicht gibt. An erster Stelle sei hier der Nebbiolo d'Alba genannt, doch kaum minder ist der Barbera d'Alba, der beste der vielen hervorragenden Barbera-Weine des Piemont. Der Dolcetto d'Alba übertrifft mit seiner trockenen, charaktervollen Art alle anderen Dolcetto-Weine des Piemont. Allerdings darf er nicht lange gelagert werden, da er seinen Charme vor allem aus seiner Jugend bezieht.

Der nur leicht perlende süße Moscato de Langhe wird überraschenderweise als DOCG Moscato d'Asti vermarktet.

Mit seinem feinen Muskataroma und dem niedrigen Alkoholgehalt von oft nur 5,5 Volumenprozent gehört er zu den interessantesten Weinen aus der Moscato-Traube (Muscat Blanc ä Petits Grains). Rund um Alba wird eine weitere piemontesische Spezialität kultiviert, die weiße Favorita-Traube. Sie ergibt einen säurebetonten Weißwein mit pikanter Zitronennote, der jung ein großer Genuss ist, aber auch ein gewisses Alterungspotenzial besitzt, das durch den Ausbau in Holzfässern besonders gut zur Geltung kommt. Oft wird die Sorte heute mit Chardonnay verschnitten. Aus der auch in der Provence bekannten, ertragsschwachen Bracchetto-Rebe wird im Süden der Langhe der Bracchetto d'Acqui, ein leichter, blassfarbener, leicht perlender und süßer Rotwein mit einem typischen Geschmach der immer wieder mit Erdbeeren assoziiert wird. Leider ist die Erzeugung gering, denn der Bracchetto d'Acqui hätte viel mehr Beachtung verdient, als ihm auf Grund seiner geringen Verfügbarkeit und dem daraus resultierenden niedrigen Bekanntheitsgrad zuteil wird. In jüngster Zeit ist er vom DOC- in den DOCG-Status erhoben worden.

Barolo

Der kleine Ort Barolo 15 Kilometer südwestlich von Alba ist weltberühmt. Grund dafür ist der gleichnamige wahrhaft große DOCG-Rotwein, der auf 1200 Hektar Rebfläche in den Orten Barolo, La Morra, Castiglione Falletto, Monforte d'Alba und Serralunga d'Alba erzeugt wird. Viele Weinliebhaber bezeichnen den Barolo als den besten italienischen Wein schlechthin. Er entsteht aus dem Nebbiolo, der hier in direkter Nähe zum Fluss Tanaro mit der Luftfeuchtigkeit versorgt wird, die er benötigt, um langsam zu reifen und dann Spitzenleistungen zu erbringen. Dabei entstehen in Barolo und La Morra fruchtigere, würzigere Weine als in den Ortschaften Castiglione Falletto, Montforte d'Alba und Serralunga d'Alba, wo die Weine noch tannin- und alkoholreicher ausfallen. Barolo in der heutigen Form als alkoholreicher trockener Rotwein existiert erst seit rund 150 Jahren.

Davor war es so, dass sich auf Grund der späten Reife und des hohen Zuckergehaltes der Trauben der Gärprozess so

weit in den Winter hinein hinzog, dass er durch die Kälte zum Stillstand kam, wenn noch etwas Restzucker im Wein vorhanden war. Deshalb war der Barolo bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein süßer Wein. Ein guter moderner Barolo besitzt einen mächtigen Körper und ist sehr alkoholstark (bis zu 15 Volumenprozent). Je nach Qualitätsstufe reift er vor der Flaschenabfüllung zunächst drei bis fünf Jahre, davon mindestens zwei Jahre im großen Kastanienfass, bevor er in den Handel gelangt. Früher waren die Weine auch dann noch nicht trinkreif denn sie gehörten zu den am langsamsten reifenden Weinen der Welt. Mit ihrem undurchdringlichen, herben und abweisenden Tanningerüst waren junge Barolo-Weine nahezu ungenießbar. Erstklassige Abfüllungen aus guten Jahrgängen brauchten oft über ein Jahrzehnt, um ihre Herbe zu verlieren und ihre gesamte Harmonie, Kraft und Tiefe zu entwickeln. Im Bemühen um eine mildere Art und frühere Trinkreife hat man die Gär- und Maischzeiten verkürzt und viel mit kürzerem Ausbau in kleineren, neuen Fässern aus Eiche experimentiert. Dabei ist in den letzten Jahren ein früh trinkreifer Barolo-Typus entstanden, der dennoch die Qualität und die Langlebigkeit früherer Spitzenerzeugnisse besitzt. Die besten Weine werden oft als Einzellagenweine abgefüllt.

Barbaresco

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Fünf Kilometer nordöstlich von Alba liegt direkt am Fluss Tanaro das Dörfchen Barbaresco. Auf knapp 500 Hektar Rebfläche entsteht hier und in den Nachbarorten Treiso und Neive der DOCG Barbaresco, einer der großartigsten Rotweine Italiens. Er besteht wie der nur wenige Kilometer entfernt gedeihende Barolo reinsortig aus Nebbiolo-Trauben, die in den herbstlichen Nebeln der Region eine lange Reifephase durchlaufen und hohe Zuckergehalte erreichen. Der Barbaresco besitzt nicht ganz die mächtige Statur des Barolo, ist etwas früher trinkreif und nicht ganz so langlebig. Dafür entwickelt er oftmals eine größere Feinheit als der Barolo. Insgesamt steht der Barbaresco hinter dem Barolo qualitativ kaum zurück. Dennoch wurde er lange Zeit als "kleiner Bruder des Barolo" behandelt. Das mag daran liegen, dass die Erzeuger des Barbaresco erst 50 Jahre nach den Barolo-Winzern erkannten, wie man den natürlichen Gärstopp durch den einsetzenden Winter verhindern und damit einen trockenen Rotwein bereiten konnte. Heutige Barbaresco-Weine werden zwischen zwei und vier Jahre in durchweg großen Kastanienholzfässern ausgebaut, bevor sie abgefüllt werden.

Dann entwickeln sie sich vor allem, wenn sie aus guten Jahren stammen - in der Flasche oft noch ein Jahrzehnt weiter,

bevor sie ihre ganze Kraft, ihr Volumen und ihre Eleganz offenbaren. Die allgemein mildere Art des Barbaresco machte die Überlegungen, wie man die Weine früher zugänglich machen könnte, weniger zwingend als in Barolo. Doch auch in Barbaresco hat man in den letzten Jahren mit kürzeren Gärzeiten und verkürztem Ausbau in neuer Eiche experimentiert und dabei bewundernswerte Ergebnisse erzielt.

Nebbiolo d'Alba

In einigen Gebieten der Langhe, die nicht zu den Anbaugebieten Barolo und Barbaresco gehören, gedeiht die anspruchsvolle Rebsorte Nebbiolo ebenfalls gut. Die DOC-Weine, die hier auf besonders guten, zumeist steilen Lagen entlang des Tals des Tanaro entstehen, sind weniger konzentriert und früher trinkreif als ein Barolo oder Barbaresco. Sie präsentieren sich körper-, alkohol- und tanninreich und können nach einigen Jahren Flaschenreife Feinheit entwickeln. Dabei fallen sie kräftiger aus als ihr Pendant von den sandigeren Böden des Roero westlich des Tanaro. In guten Jahren können die besten Nebbiolo-Weine der Langhe durchaus die Kraft und Statur eines leichteren Barolo oder Barbaresco erreichen.

Barbera d'Alba

Der beste der vielen piemontesischen Barbera-Weine ist der DOC Barbera d'Alba. Traditionell handelt es sich dabei um einen körper-, alkohol-sowie säurereichen, äußerst fruchtigen und voluminösen Rotwein, der auch schon gut jung zu trinken ist und dann einen gewissen Charme offenbart. Wie im Monferrato und in Alba werden auch hier seit rund 20 Jahren die Weine aus besonders hochwertigem Traubengut - teilweise aus besonderen Einzellagen, die hier als Bricco bezeichnet werden -in Barriques ausgebaut. Dabei entstehen ungeheuer konzentrierte, kraftvolle Weine, die sich noch über Jahre in der Flasche verbessern können. Sie liegen nicht nur qualitativ, sondern auch preislich auf einem Niveau mit den besten Barolo-Weinen. Aber auch der einfache Barbera d'Alba dankt einige Jahre Lagerung meist mit einem eleganten Veilchenton.

Gavi

Ein weiterer berühmter Wein des Piemont ist der Gavi. Sein Bereich grenzt im Osten an die Hügel der Langhe. Er entsteht aus der weißen Cortese-Traube und war lange Zeit der fortschrittlichste, modernste italienische Weißwein, bevor pneumatische Pressen, temperaturgeregelte Gärtechnik und Edelstahltanks für den reduktiven Ausbau im ganzen Land Standard wurden. Zu dieser Zeit hieß der Wein aus einer weiter gefassten Zone DOC Gavi oder DOC Cortese di Gavi und der Wein aus der Kernzone, der Gemarkung der Ortschaft Gavi, DOC Gavi di Gavi. Die fruchtigen, frischen und säurebetonten Weißweine wurden weitgehend an die Fischrestaurants der von Touristen sehr geschätzten Küste Liguriens geliefert. Seit seiner "Beförderung" zum DOCG-Wein vor einigen Jahren wird der Wein aus der erweiterten Zone als DOCG Gavi und der aus der engeren Zone als DOCG Gavidelle Commune di Gavi etikettiert. Gute Abfüllungen bestechen durch ihr an Zitronen erinnerndes Aroma und eine leicht mineralische Note.