Lagern und geniessen

Lagern und geniessen

Ältere, reife Weine verlieren nach dem Kauf durch den Heimtransport erst einmal an Qualität, denn durch die Erschütterungen des Transports werden sie regelrecht "krank". Wenn sie dabei möglicherweise durch die Aufwirbelung des Depots zusätzlich noch stark getrübt werden, können sie bis zu drei Monate der absoluten Ruhe benötigen, um ihre Harmonie wiederzuerlangen. Jüngere, ftuchtige Weine sind heute hingegen so stabil, dass ihnen auch der Transport vom Ort ihres Kaufs nach Hause nicht allzu viel ausmacht. Daher können sie mit Genuss auch schon am gleichen Abend getrunken werden. Wer allerdings ganz sicher gehen will, denkt voraus und kauft den Wein rechtzeitig ein.

Bei trinkfertigen Weine, die sich in der Flasche nicht mehr sonderlich verbessern, lohnt sich eine jahrelange Lagerung

kaum. Hier genügt es, eine gewisse Vorratshaltung zu organisieren. denn schaden kann es dem Wein auf keinen Fall, wenn er ein paar Tage Ruhe hat, um seine Qualitäten voll zur Geltung zu bringen und auch, um langsam auf die richtige Trinktemperatur gebracht werden zu können. Die verbrauchten Flaschen werden ersetzt und ruhen dann, bis sie "an die Reihe kommen". Diese Vorratshaltung kann außer in stark beheizten Räumen oder unter intensiver Sonneneinstrahlung nahezu überall stattfinden.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Weinen, bei denen sich eine längere Flaschenalterung lohnt. Das sind die jenigen Gewächse, die noch nicht trinkfertig sind, wenn sie auf den Markt kommen. Andere wiederuml, sind bereits zum Genuss geeignet, können ihre Qualität jedoch durch eine weitere Reifung in der Flasche noch wesentlich verbessern.

Wichtig ist an erster Stelle die liegende Lagerung der Flaschen, um das Austrocknen der Korken und die Oxidation der Weine zu vermeiden. Bei den anderen Risikofaktoren kann man davon ausgehen, dass die meisten Weine auf Grund der Fortschritte in Weinberg und Kellerei gegenüber Umwelteinflüssen wesentlich unempfindlicher sind als noch vor 20 Jahren. Wein soll dunkel lagern, lehren uns die althergebrachten Kellerregeln.

Das ist deshalb richtig, weil die direkte Sonneneinstrahlung den Wein erwärmt und dadurch schneller altern lässt.

Zudem beeinträchtigt der schnelle tägliche Rhythmus dieser Erwärmung und Abkühlung die Weinqualität. Sind die Flaschen jedoch nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt, schädigt der tägliche Helligkeitswechsel die Weine auch nach einigen Jahren nicht erkennbar. Bei sehr alten und empfindlichen Weinen sollte jedoch über die Möglichkeit einer Abdeckung, beispielsweise mit einer alten Wolldecke, nachgedacht werden.

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Auch die Fortschritte in der Haltbarkeit von Flaschenweinen konnten die eiserne Regel nicht außer Kraft setzen, dass Wein umso langsamer reift, je kühler er lagert. Durch eine ständige Lagerung über 20 Grad altert Wein zu schnell, sodass viele Gewächse ihren qualitativen Höhepunkt gar nicht erst erreichen. Ein ganz normaler Kellerraum eignet sich hingegen ausgezeichnet zur Weinlagerung. Die in Kellern üblichen, durch die Jahreszeit bedingten Temperaturschwankungen von 10-15 Grad schädigen die Weine nicht. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass es dem Wein auch nicht förderlich ist, wenn er bei der Suche nach einer bestimmten Flasche im Keller allzu oft angefasst, bewegt und umgepackt wird.

Ständige Vibrationen lassen einen Wein nie zur Ruhe kommen.

Er wird ständig in Aufruhr versetzt, sodass er sich nicht in Bestform präsentieren wird. Fremdgerüche stellen ein gewisses Risiko für die Lagerung von Flaschenweinen dar. Intensive Gerüche können dazu führen, dass der Wein nach einigen Jahren eine eigentümliche Geruchs- und Geschmacksnote annimmt, die ihn sogar ungenießbar machen kann.

Vor allem der für viele Keller typische Heizölgeruch, der Geruch von Waschmitteln und einigen Gemüsesorten - vor allem Kartoffeln oder Zwiebeln - sowie Fäulnisgerüche sind besonders schädlich. Bei der Beachtung dieser wenigen Regeln ist es jedem Weinfreund möglich, bei Bedarf aus seinem Keller edle, reife Weine hervorzuzaubern, deren Genuss für den geringen Aufwand der Kellereinrichtung vielfach entschädigen.

Dem handwerklich begabten Weinliebhaber sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Gerade die Ausstattung des eigenen Weinkellers und die Organisation der Weinlagerung lassen breiten Raum für individuelle Entfaltung. So sind es in der Regel eher finanzielle Kriterien, die eine professionelle Ausstattung des Weinkellers mit Stapelelementen, Kühlgeräten und Temperaturkontrolle bestimmen.

Maximale Lagerfähigkeit ausgewählter Weine aus guten Jahrgängen

Riesling Spätlese Rheingau, Mosel-Saar-Ruwer, Pfalz 15 Jahre

Silvaner Spätlese Rheinhessen, Franken 5 Jahre

Spätburgunder Spätlese Baden 10 Jahre

Spitzen-Champagner 15 Jahre

Elsässer Riesling 8 Jahre

Sancerre und Pouilly-Fume 2 Jahre

Chablis 7 Jahre

Bourgogne blanc, Cöte d'Or 10 Jahre

Bourgogne rouge, Cöte d'Or 10 Jahre

Grands Crus, Cöte d'Or 20 Jahre

Crus de Beaujolais 3 Jahre

Cötes du Rhöne-Villages 5 Jahre

Cöte-Rötie, Hermitage, Cornas 15 Jahre

Chäteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras 10 Jahre

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Haut-Medoc 10 Jahre

Saint-Emilion 10 Jahre

Graves blanc 7 Jahre

Grands Crus aus Bordeaux 20 Jahre

Barolo 15 Jahre

Barbaresco 12 Jahre

Chianti Classico Riserva 10 Jahre

Brunello di Montalcino 15 Jahre

Rioja Gran Reserva 15 Jahre

Rioja Reserva 10 Jahre

Vintage Port 50 Jahre

Grüner Veltliner Spätlese aus Österreich 5 Jahre

Griechische Spitzen-Rotweine 10 Jahre

Einfacher Cabernet Sauvignon aus Übersee 5 Jahre

Spitzen-Cabernet aus Übersee 10 Jahre

Australischer Shiraz 10 Jahre

Chardonnay aus Übersee 3 Jahre

Sauvignon Blanc aus Übersee 2 Jahre